Sanatorium fürs Seelenheil

Während die neue Alpen-Schickeria in den Skihütten noch die letzte Flasche Dom Pérignon köpft und in der Aprés-Ski-Bar die Mallorca-Hits in die Dämmerung gegrölt werden, öffnet die Bar Ruobstei ihre Pforten. Das Licht ist gedimmt und aus den Boxen klingt unaufdringlich  Miles Davis. Die Skilehrer von früher sind froh, endlich einen anständigen Single-Malt trinken zu können und die sich im Urlaub befindenden Conaisseure aus Zürich frohlocken, denn endlich gibt es ihren Lieblingscocktail auch 1500m über dem Pegel ihrer Heimatstadt. Hier treffen sich diejenigen, die es nach Genuss sehnt. Deren Herzen hungrig sind. Die Lebemänner von früher und die Trendsetterinnen von heute. Es ist Zeit, dass die weltweit wiederentdeckte und überaus gepflegte Cocktailkultur ihren Platz in Arosa erhält.

Die Bar Ruobstai erinnert inhaltlich an ein Arosa im Jugendstil, als mit der Angebeteten um den See geschlendert wurde und man sich abends zum Bridge traf. Im Kontrast dazu trifft der Gast auf eine moderne Bar mit ausgesuchten Spirituosen aus aller Welt, einheimischen Weinen, edlen Bieren und einem kleinen aber feinen Speiseangebot. Wer hier verweilt weiss einen gut gemachten Gin Fizz zu schätzen, schwört auf Ginger Beer, diskutiert gerne mit dem Kellner über die neuen Top-Weine aus der Bündner Herrschaft oder geniesst auch einfach mal ein lokales Bier, statt der verwässerten Brühe aus Dänemark. Die Musik ist mit Bedacht ausgewählt und passt sich an; der Stimmung der Gäste, dem Rhythmus der Nacht.


The Story

Von der Alp zum Kurort

Als gegen 1850 die Einwohnerzahl Arosas auf bedenkliche 52 schrumpfte, ahnte noch niemand, was die Zukunft für das verschlafene Bergdorf alles bereithält. Erst der deutsche Arzt und Visionär Otto Herwig, dessen Lungenleiden von der Aroser Bergluft kuriert wurde, erkannte die heilende Wirkung der reinen Bergluft. Dank frisch gewonnenem Schnauf gründete er 1888 mit seiner Schwester das erste Sanatorium.

Schnell zogen die frische Luft und die stoische Ruhe der Berge auch andere Städter an. Es folgte Kurort-Geschichte vom Feinsten.

Blütezeit der Sanatorien

Während den Sommermonaten platzten die Sanatorien und Pensionen aus allen Nähten. Der allgemeine Aufschwung dieser Zeit machte sich rasch in Arosa bemerkbar und so wandelte sich das bescheidene Bauernkaff zu einem anmutigen und schicken Bergjuwel. Die belesene Dame konnte Thomas Mann beim Schreiben auf der Waldhotel-Terrasse beobachten, derweil der feine Herr mit Hesse in einem der unzähligen Etablissement einen Armagnac kippen durfte. Wer heil suchte für seinen Körper, strebte auch nach einem reinen Geist. Und was half da mehr, als ein Gläschen Hochprozentiger.

Internationale Tourismusdestination

Arosa nennt man heute in einem Atemzug mit den grossen Wintersportdestinationen  Davos, Zermatt und St.Moritz. Doch leider sind die fetten 80er Jahre vorbei und die Euphorie der 90er ist längst verflogen. Wie jeder andere Schneesportort kämpft auch Arosa mit steigender Konkurrenz aus dem Ausland und immer wärmer werdenden Wintern. Doch wer sich durch die 360 Kurven hinauf nach Arosa wagt merkt schnell, dass das einst mondäne Örtchen nichts von seinem Charme eingebüsst hat. Ein frischer Wind, wie ihn damals Dr. Herwig gerochen hat und neue Ideen sind gefragt, um ein weiteres Kapitel dieser wundervollen Geschichte zu schreiben.